Holzöl – nicht immer ein Naturprodukt

Holzöl schützt, pflegt und versiegelt alle Naturhölzer. Seit rund 100 Jahren wird Holzöl dafür eingesetzt, die Beständigkeit und Langlebigkeit von Holz zu gewährleisten. Holz benötigt den Schutz und die Feuchtigkeit, die es von den Ölen bekommt. Gerade Holz, welches im Freien eingesetzt wird lässt sich mit Holzöl perfekt schützen und pflegen. Das Holz bildet dann weniger Risse und versprödet nicht. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Optik des Holzes. Holzöle können das Holz anfeuern oder auch eine natürliche Optik erzeugen. Letzteres leisten die so genannten Naturholzeffekt-Öle. Ein wenig Wissen über Unterschiede bei Holzölen hilft bei der Suche und bei der Entscheidung für die richtige Wahl bevor Sie Holzöl kaufen.

Eigenschaften von Holzölen

Wer sich für eine geölte Holzoberfläche entscheidet sollte wissen, dass diese Behandlung immer etwas mehr Pflegeaufwand bedeutet als bei lackierten und vollständig versiegelten Holzoberflächen.

Das Holzöl dringt in das Holz ein und je nach Produkt bildet es an der Oberfläche einen Film, der vor Witterung und anderen Umwelteinflüssen schützt. Viele Öle verstärken die Optik der natürlichen Maserung. Man nennt dies „das Holz anfeuern“. Wenn man nicht sicher ist, ob man sein Holz anfeuern möchte, kann man die entstehende Optik auch vorher mit einem nassen Tuch (Wasser) testen. Man bekommt dadurch kurz einen ganz guten Eindruck, wie sich die Optik des jeweiligen Naturholzes durch das Ölen entwickeln wird.

Durch das Ölen wird aber keine Versiegelung wie bei Lacken erreicht. Das Holz bleibt auch nach dem Ölen und dem aushärten der Holzöle atmungsaktiv.

Um diesen Nachteil gegenüber Lacken zum Teil auszugleichen, wird manchem Holzöl auch Wachs zugegeben. Das Wachs kann anders als das Holzöl nicht in das Holz eindringen. Es bleibt an der Oberfläche und bildet dort einen Schutzfilm. Holzöle, die mit Wachs kombiniert wurden nennt man Hartwachsöle.

Will man die Farbe des Holzes verstärken oder gar verändern, verwendet man pigmentierte Holzöle.

Bestandteile von Holzölen

Holzöle bestehen meistens aus einer Rezeptur von Inhaltsstoffen. Nämlich dem Basis-Öl, einem Lösungsmittel sowie Hilfsstoffen und in vielen Fällen auch Pigmenten.

Basis-Öl für Holzöle

Das am häufigsten verwendete Basis-Öl für Holzöle ist das Leinöl. Leinöl ist das Öl der Leinsaat und weist hervorragende Eigenschaften für die Pflege, Schutz und Imprägnierung von Naturholz auf. Neben Leinöl werden auch andere Öle wie Tungöl, Walnusöl, Sonnenblumenöl oder Distelöl verwendet. Wichtig ist, dass es sich um ein Basis-Öl handelt, welches trocknet. Das tun nicht alle Öle. Daher sind leider oft falsche Tipps im Internet unterwegs, die z.B. dazu raten, Küchenbretter mit Olivenöl, Erdnussöl oder anderen Speiseölen zu behandeln. Diese Öle können aufgrund Ihrer molekularen Struktur nicht aushärten und bleiben immer etwas Ölig an der Oberfläche. Mit etwas Pech werden diese Speiseöle dann auch noch ranzig im Holz.

Lösemittel in Holzölen

Lösungsmittel sorgen dafür, dass Holzöl leicht zu verarbeiten ist und gut ins Holz eindringen kann. Danach verfliegen sie. Das reine Basis-Öl wäre (in den meisten Fällen) nur mit Mühe und erst nach Erwärmung einigermaßen verarbeitbar und würde auch dann nicht tief genug ins Holz einziehen. Bei manchen Rezepturen wird anstelle eines Lösungsmittels auch ein Leinölfirnis zugegeben. Dies ist ein Leinöl mit Trocknungsmittel und Hilfsstoffen. Der Leinölfirnis bildet dann an der Oberfläche eine schützende Schicht. Manche Holzöle enthalten auch Wasser als „Lösungsmittel“. Solche Produkte benötigen dann Emulgatoren als Hilfsstoff.

Wie lange trocknen Holzöle?

Das Holzöl soll ins Holz einziehen und dann trocknen. Danach soll eine geschützte Oberfläche zur Verfügung stehen. Öle trocknen chemisch gesehen anders als Wasser. Sie verdunsten nicht einfach, sondern härten durch Kontakt mit Luftsauerstoff aus. Diesen Vorgang nennt man oxidieren. Das kann unter Umständen jahrelang dauern. Da dies nicht sinnvoll ist, enthalten Holzöle Hilfsstoffe, die das Trocknen fördern. Sehr wichtig ist aber, dass man bei der Anwendung von Holzölen die Überschüsse, die nicht ins Holz einziehen, gründlich abwischt bevor die Trocknung einsetzt. Wer das vernachlässigt, kann eine dauerhaft schmierige und klebrige Oberfläche erhalten. Fast genauso wichtig ist es, die Überschüsse in Längsrichtung der Maserung abzuwischen. Nur so verbleiben möglichst wenig unsichtbare Reste auf der Holzoberfläche. Moderne Holzöle trocknen bei guten Bedingungen innerhalb von 24 Stunden weitgehend aus. Erwärmtes Öl und frische Luft mit viel Sauerstoff fördern den Trocknungsvorgang.

Verarbeitung von Holzöl

Am besten trägt man Holzöl mit einem Tuch auf. Das Tuch sollte dann in einem verschraubbaren Glas ohne Luft aufbewahrt werden, damit es nicht aushärtet und sich auch nicht selbst entzündet. Sobald das Öl einwirken konnte noch mal verreiben und überschüssiges Holzöl mit einem frischen Tuch oder mit Küchenpapier in Maserungsrichtung abwischen. Die Einwirkzeit entnehmen Sie dem Etikett des jeweiligen Öls. Grundsätzlich verkürzt sich die Einwirkungszeit, wenn Sie das Öl vor der Verarbeitung erwärmen.